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Die Rangordnung und
soziale Struktur
Schweine sind sehr soziale Tiere, die in ihrer Gruppe
eine Rangordnung bilden. In der Fachsprache werden diese Gruppen
"Rotten" genannt.
Bei Wildschweinen bildet eine Bache (weibliches Wildschwein) zusammen
mit ihren Frischlingen (Ferkel) die Grundeinheit einer solchen Rotte.
Mehrere Bachen schließen sich zu einer bis zu 20 köpfigen
Rotte zusammen. Die Führung dieser Rotte übernimmt stets
eine ältere und erfahrene Bache und die Gruppen bleiben auch
zusammen wenn die Frischlinge selbständig geworden sind.
Die männlichen Jungtiere (Überläufer)
bilden nach einiger Zeit im Frühjahr eigene Gruppen. Erst nach
zwei Jahren nehmen männliche Wildschweine an der Fortpflanzung
teil und werden ab dieser Zeit zu Einzelgängern. Die dann ausgewachsenen
Keiler schließen sich nur noch während der Paarungszeiten
den Rotten an.
Die ersten Anzeichen eines Gruppenverhaltens findet
man schon wenige Tage nach der Geburt. Die neugeborenen Tiere bilden
nach kürzester Zeit eine feste Saugordnung, wobei die kräftigeren
Tiere die vorderen Zitzen beanspruchen. Bei jedem Säugen wird
nun ausschließlich die gleiche Zitze gewählt. Bei Würfen
von 12 Ferkeln und mehr eine erstaunliche Begebenheit.
Die Rangordnung der Schweine wird durch Kämpfe
ausgearbeitet. Diese Kämpfe verursachen in der Regel aber keinerlei
schwerwiegende Verletzungen und sind nach einigen Tagen üblicherweise
beendet. Dies wird durch bestimmte Verhaltensmuster, den sogenannten
Demutsgesten, der unterlegenen Tiere erreicht. Bei Schweinen sind
dies insbesondere das Zurücktreten mit offenem Maul, erhobenem
Kopf und spezifischen Demutslauten.
In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass auch die
Einzelhaltung von Minischweinen keinesfalls artgemäß
ist. Der Mensch kann niemals den richtigen Artgenossen ersetzen,
auch wenn er sich intensiv um sein Tier bemüht.
Agressionsverhalten
Wie bereits erwähnt, wird die Rangordnung
bei Schweinen durch Kämpfe ermittelt. Bei jungen Ferkeln beschränkt
sich dies in der Regel auf das Zurückdrängen der unterlegenen
Tiere bzw. auf Beissen gegen Kopf und Ohren.
Bei männlichen Tieren (Ebern / Keilern) kann es durchaus zu
sehr ernsten Kämpfen kommen. Hierbei kommt es gehäuft
zu Verletzungen im Bereich der Augen und des Bauches. Schweine halten
sich jedoch generell an Kampfregeln. Dabei werden die Kämpfe
offen geführt und es gibt keinerlei hinterlistige Attacken.
Oft wird von Landwirten behauptet, dass Schweine
äußerst aggressive Tiere sind und der häufig beobachtete
Kannibalismus eine typische Wesensart der Schweine wäre. Jedoch
ist dies eine vollkommene Fehlinterpretation, da die Ursache für
den Kannibalismus die reizarme Umgebung heutiger Schweineställe
ist. Die intelligenten Tiere degenerieren in dieser Umgebung und
es kommt dann zu Ersatzhandlungen indem das Erkundungsverhalten
sich primär gegen den eigenen Artgenossen wendet. Dieses Symptom
der Massentierhaltung wird durch simples Kupieren der Schwänze
bekämpft, wobei die eigentliche Ursache, das tierquälerische
Haltungssystem, außer Betracht bleibt.
Auch zeigt sich durch die beengten Ställe, dass
die unterlegenen Tiere in einem Kampf sich nicht ausreichend entfernen
können, um die Überlegenheit des Siegers anzuerkennen.
Durch die enorme Besatzdichte steigt daher das Aggressionspotential
an.
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